Sexualisierte Gewalt und Schutzkonzepte

Frau, welche verschwommen im Hintergrund zu sehen ist und ihre rechte Hand nach vorne hebt

Der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) zufolge ist davon auszugehen, dass in jeder Klasse ein bis zwei Schüler*innen sitzen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind. Zusätzlich zu diesen enormen Zahlen rücken immer wieder große Missbrauchsskandale in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Außerdem nehmen gerade durch Phasen des Online-Unterrichts und den dadurch gestiegenen Onlinezeiten von Kindern und Jugendlichen die Gefahren sexueller Übergriffe im digitalen Raum stark zu. Da die Schulen der Ort sind, an dem alle betroffenen Kinder und Jugendlichen anzutreffen sind, ist es für die Prävention sexueller Gewalt wichtig, dass Schulen ein Schutzkonzept entwickeln.

Ziele eines schulischen Schutzkonzepts:

Im Engagement von Schulen im Bereich sexueller Gewalt steckt viel Potenzial zum Schutz von Schüler*innen. Denn alle betroffenen Kinder und Jugendlichen, deren Einzelschicksale hinter diesen Zahlen stehen, besuchen die Schule. Darum ist Schule ein wichtiger Ort, um betroffenen Kindern und Jugendlichen Hilfe und Schutz anzubieten, wenn diese sich an Lehrkräfte wenden, um sich zu offenbaren. Hierzu ist es aber notwendig, dass die betreffenden Lehrkräfte darin geschult sind, wie sie in solchen Situationen kompetent reagieren können. Denn nur, wenn professionell, mit Bedacht und in Kenntnis von lokalen Unterstützungsnetzwerken gehandelt wird, kann in diesen Fällen auch langfristig wirksame Hilfe angeboten werden. Und nur dann, wenn Schülerinnen und Schüler auf diesen vertrauensvollen Umgang mit einer Selbstoffenbarung vertrauen, vertrauen sie sich auch einer Lehrkraft an.

Die Schule ist für Kinder und Jugendliche ein zentraler sozialer Raum, in dem sie vielen anderen Schüler*innen und auch Erwachsenen über einen langen Zeitraum hinweg begegnen. Dies macht die Schule auch zu einem möglichen Tatort für sexuelle Übergriffe. Dies kann zwischen Schülerinnen und Schülern geschehen - unabhängig von der jeweiligen Klassenstufe. Es können aber auch sexuelle Grenzverletzungen oder sogar konkrete Übergriffe durch Lehrkräfte vorkommen. Die Schule ist in beiden Fällen gefordert, einen Umgang mit diesen Geschehnissen zu finden. Es ist in solchen Fällen nicht einfach, gleichzeitig mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte von Beschuldigten mit Bedacht zu handeln und gleichzeitig die Betroffenen vor weiteren Übergriffen zu schützen. Nicht nur vor weiteren Übergriffen durch den/die Beschuldigte*n, sondern auch vor Vorwürfen aus dem schulischen Umfeld, die in solchen Fällen sehr schnell formuliert werden.

Hierbei ist wichtig zu betonen, dass Präventionskonzepte, die lediglich auf einer "sag NEIN"-Kampagne aufbauen, zu kurz greifen. Täter*innen sexuellen Missbrauchs nutzen ihre Machtposition systematisch aus, um den Widerstand ihrer Opfer zu brechen oder zu umgehen. Lediglich diesen Widerstand zu erhöhen führt in vielen Fällen zu keinem ausreichenden Schutz vor sexueller Gewalt. Und dennoch kann darin ein Baustein eines größeren Präventionskonzeptes liegen, insbesondere dann, wenn den Kindern gezeigt wird, dass sie auf ihr Gefühl vertrauen und die Wahrung ihrer Grenzen einfordern können. Und wenn Betroffene wissen, wo sie sich Hilfe holen können, wenn ihnen doch etwas passiert ist. Dies ist insbesondere für die digitale Welt von großer Bedeutung, da auf diesem Wege Täter unbemerkt von Eltern in jedes Kinderzimmer eindringen können.

Unser Angebot

Flyer

Schutzkonzeptentwicklung

Das zuständige Beratungszentrum unterstützt bei der Entwicklung eines Schutzkonzepts. Weitere Informationen dazu finden Sie im Flyer.

Fortbildungen

Bei Fortbildung-Online finden Sie u.a. einen Online-Lernkurs zum Thema "Schule und sexualisierte Gewalt".

Angebote von Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern

Was ist los mit Jaron?

Hier finden Sie die kostenfreie Online - Fortbildung "Was ist los mit Jaron?" angeboten von der UBSKM.

Frauennotrufe Rheinland-Pfalz

Auf der Homepage der LAG autonomer Frauennotrufe finden Sie alle Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz sowie deren Fortbildungsangebote.

Ansprechperson im PL

Dr. Jörg von Irmer
Landesweite Koordination der Arbeitsbereiche Gesundheitsförderung und sexualisierte Gewalt
Schulpsychologisches Beratungszentrum Idar-Oberstein

Schützenstr. 35
55743 Idar-Oberstein

Telefon: 0671 9701 2400
E-Mail: joerg.vonirmer(at)pl.rlp.de