Demokratiebildung
„Eine rechtsstaatlich verfasste Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie musste und muss immer wieder erlernt, erkämpft, gelebt und verteidigt werden. Demokratie braucht überzeugte und engagierte Demokratinnen und Demokraten.“ (KMK 2009, S. 2)
Die besonderen Herausforderungen von Demokratiebildung im Handlungsfeld sonderpädagogischer Förderung nehmen wir bewusst, gezielt und reflektiert wahr und bereiten die daraus resultierenden Themen der Demokratiebildung mit Blick auf diesen besonderen Kontext für unsere Anwärterinnen und Anwärter auf. Einen ausdrücklichen Fokus legen wir dabei auf:
- Schülerinnen und Schüler mit erschwerten Lern- und insbesondere Lebensbedingungen
- Schülerinnen und Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf
- Teilhabe bzw. Partizipation an lebensweltlichen, gesellschaftlichen und politischen Prozessen
- Analyse von Lern- und Zugangsbarrieren mit dem Ziel Barrierefreiheit zu ermöglichen
- Selbstverantwortung bzw. -bestimmung
Anwärterinnen und Anwärter erleben in der Ausbildung am Studienseminar neben einer demokratischen Wissensvermittlung einen demokratischen Erfahrungsraum, der es ihnen ermöglicht, einen Transfer in ihre schulische Lebenswirklichkeit zu leisten (vgl. KMK 2009, S. 8). Demokratiebildung ist im Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Förderschulen in Kaiserslautern mit Teildienststelle Wallertheim in allen Bereichen der Ausbildung als Querschnittsthema verankert und vielschichtig verwoben.
„Es geht um den Erwerb von lebensnahen Kenntnissen über die Demokratie. Es geht um den Erwerb von praktischen Kompetenzen für die Demokratie. Und es geht um das Lernen durch die Demokratie im Kontext gemeinsamer Erfahrungen.“ (Himmelmann 2017, S. 8)

„Die Menschenwürde ist die wichtigste Werteentscheidung des Grundgesetzes. Sie kommt allen Menschen allein schon kraft ihres Menschseins zu und ist unantastbar.“ (KMK 2009, S.3)
Sonderpädagogische Fachsprachlichkeit ist eine Sprache, die die Würde des Menschen achtet und ausdrücklich zum Thema macht. Deshalb legen wir in der Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit den Anwärterinnen und Anwärter Wert auf eine Wortwahl und ein Kommunikationsverhalten, das von Ressourcenorientierung geprägt ist und defizitorientierten Äußerungen und damit sowohl impliziten als auch expliziten Beschädigungen und Verletzungen anderer Personen vorbeugt. Dies erfordert eine regelmäßige und kontinuierliche Reflexion der eigenen Sprache.
Um den Anwärterinnen und Anwärtern die Notwendigkeit und den unterstützenden Effekt der Vernetzung zu verdeutlichen und selbst weiterhin Informationen-, Ideen- und Weiterentwicklungen zu erfahren und auszutauschen sind wir Teil des Netzwerks Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung in der Lehrkräfteausbildung (NMDL).
Als erstes Studienseminar haben wir die Reckahner Reflexionen unterzeichnet, um deutlich zu machen, welchen Stellenwert für uns eine menschenrechtsbasierte Ausbildung und Pädagogik haben.
Ein wesentliches Element der Demokratiebildung ist das berufspraktische Seminar "Demokratieerziehung und Menschenrechtsbildung" in der Gedenkstätte KZ Osthofen. Neben der Ortserkundung und der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Gedenkstätte vertiefen die Anwärterinnen und Anwärter das Thema in verschiedenen Workshops.
Beispiele für Workshopthemen aus dem VD 2024-26:
- "Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand" - Einblick in die Arbeit mit der Wanderausstellung
- "Was kann Gedenkstätte - was brauchen Lernende und Lehrkräfte?" - Vertiefende Einblicke in das pädagogische Angebot der Gedenkstätte mit offener Diskussion darüber, wie wir methodisch und didaktisch voneinander lernen können.
- "Diskriminierungskritischer Klassenrat" - Elemente einer demokratiebildenden, menschenrechtsbasierten Pädagogik im Fokus sonderpädagogischer inklusionsorientierter Arbeit an Schulen
- "Du hast ein großes Herz" - Gute pädagogische Beziehungen als Grundlage für demokratische Sozialisation und Menschenrechtsbildung in sonderpädagogischen Schul- und Unterrichtssettings
Angebote zur Demokratiebildung finden sich:
- in den sonderpädagogischen Schwerpunkten
- im berufspraktischen Seminar
- in schwerpunktübergreifenden Veranstaltungen („crosskategoriale Module“)
- in den fachdidaktischen Ergänzungen
- in Sonderveranstaltungen
- in einer bewusst gestalteten demokratiefördernden Seminarkultur
Beispiele für konkrete Angebote im VD 24-26 sind:
- Berufspraktisches Seminar zum Thema Classroom-Management (Demokratie als Lebensform: Regeln & Rituale des Zusammenlebens; beziehungsstiftende, gemeinschafts- & demokratiefördernde Rituale; Verantwortungsübernahme in der Klassengemeinschaft;...)
- crosskategoriale Module "Mehrsprachigkeit", "Traumasensible Unterrichtsgestaltung", "Inklusive Medienbildung", "Gewaltfreie Kommunikation"
- Seminarveranstaltungen zum Thema "Umgang mit herausforderndem Verhalten"
Des Weiteren zeigt sich Demokratiebildung für uns im Studienseminar unter anderem in:
- Haltung und Sprache (z. B. Ressourcenorientierung, menschenrechtsbasierte Pädagogik, Rolleneinnahme als Lehrkraft unter Beachtung demokratischer und sonderpädagogischer Grundwerte, systemisch-lösungsorientierte Methoden der Gesprächsführung)
- bewusster Beziehungsgestaltung
- Förderung der Teilhabe und Partizipation
- gelebter Anerkennungs-, Beteiligungs- und Feedbackkultur
- demokratieförderlicher Methodenwahl in den Seminarveranstaltungen