„Gutes mit Ideen aus der Praxis noch besser machen“: Minister Sven Teuber und BA-Geschäftsführerin Heidrun Schulz starten Praxistag 3.0 für einen noch besseren Start in Ausbildung und Beruf
Januar 2026

Denn damit wird das seit mehr als 15 Jahren erfolgreiche und bundesweit einmalige Projekt Praxistag auf ein neues Niveau angehoben. „Wir machen Gutes und Bewährtes noch besser, weil wir die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren nutzen“, erklärte Teuber, als er zusammen mit Heidrun Schulz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, den Kickoff für den Praxistag 3.0 gab. Dass das Konzept funktioniert, konnte Teuber am Ort des Kickoffs beobachten: dem toom-Baumarkt in Alzey, der seit vier Jahren beim Praxistag mitmacht und derzeit 30 Schülerinnen und Schüler in diesem Rahmen betreut.
„Lars hat beim Praxistag vor ein paar Jahren hier reingeschnuppert und begrüßt heute in seinem ehemaligen Praktikumsbetrieb uns voller Stolz als Auszubildender. Das bestätigt die Wirkung unserer Berufsorientierung“, so der Minister. „Insgesamt machen in Rheinland-Pfalz mehr als 8.000 Schülerinnen und Schüler von rund 270 Schulen beim Praxistag mit“, berichtete Teuber. Sie gehen dabei über sechs bis zwölf Monate einmal in der Woche in einen der 5.000 teilnehmenden Betriebe. Sie lernen „on the job“, wie es im Berufsleben zugeht. Zudem wird ihr Einsatz in den Unternehmen flankiert durch betreuende Lehrkräfte, Perspektivgespräche zur Halbzeit mit der Berufsberatung der Arbeitsagenturen sowie intensive Vor- und Nachbereitung. Zusammen mit unseren zahlreichen anderen Maßnahmen zur Berufsorientierung an allen Schularten ist das die bestmögliche Vorbereitung auf die Arbeitswelt. „Ich habe heute im Gespräch gesehen, wie Ben und Hope im Praxistag als Menschen und als Schülerin und Schüler gewachsen sind, wie sie im Team lernen und auch im Netzwerk vor allem mit ihren Lehrerinnen und Lehrern der Realschule plus Flonheim wachsen“, erzählte Teuber. „Ich wünsche ihnen mit allen weiteren Schülerinnen und Schülern viel Freude und Spaß und danke allen, die jeden Tag zum Erfolg der Kinder und Jugendlichen beitragen.“
In den Praxistag 3.0 werden jetzt die Erfahrungen der früheren Projektrunden einfließen. Ziel ist es dabei, die Elternarbeit zu verstärken, den Praxistag bei den Betrieben noch bekannter zu machen und das Projekt so zu standardisieren, dass es noch besser zusammen mit anderen Maßnahmen der Berufsorientierung wirkt. Dazu gibt es unter anderem einen Online-Feedbackbogen, in dem Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen erläutern. Feedback bekamen Teuber und Schulz im Alzeyer toom-Baumarkt von Schülerinnen und Schülern, die von ihrem persönlichen Praxistag zwischen Schrauben und Wasserhähnen berichteten und erzählten, was sie davon für ihre Berufswahl mitnehmen konnten.
Die Bedeutung des Praxistags für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt strich BA-Geschäftsführerin Schulz heraus: „Der Übergang zwischen Schule und Erwerbsleben ist für junge Menschen entscheidend für den beruflichen Lebensweg. Insbesondere Praktika unterstützen Jugendliche beim Berufseinstieg. Hier erleben sie die Arbeitswelt realistisch und können sich ein konkretes Bild machen. Unsere Berufsberaterinnen und -berater unterstützen die Schülerinnen und Schüler innerhalb des Praxistags gezielt durch individuelle Reflexion, Orientierung und Beratung. Bei Bedarf können die Arbeitsagenturen sowohl die jungen Frauen und Männer als auch die Betriebe ergänzend mit vielfältigen Förderinstrumenten unterstützen.“
Der „Praxistag 3.0“ ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit des Ovalen Tischs zur Fachkräftesicherung der Landesregierung mit der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der BA. Die Maßnahme wird mit mehr als 17,5 Millionen Euro finanziert. Die Bundesagentur für Arbeit beteiligt sich davon mit 5,2 Millionen Euro für die Dauer von drei Jahren. Der Praxistag ist damit die umfangreichste Maßnahme zur Berufsorientierung in Rheinland-Pfalz.
280 Schulen, 9.000 Schülerinnen und Schüler, ein Ziel: den richtigen Beruf finden – Praxistag startet in die nächste Runde
Die ehemalige Schülerin der Georg-Neumayer-Realschule plus in Kirchheimbolanden, Ann-Carin Heckmann, schnupperte beim Praxistag im örtlichen Autoreifen-Service Pneuhage erstmals „Berufsluft“ und begann nach ihrem Schulabschluss dort ihre Ausbildung.

So wie Ann-Carin wollen es nun rund 9.000 Schülerinnen und Schüler von 280 Schulen aus dem ganzen Land machen: beim Praxistag den Beruf fürs Leben finden. Weil das bei mittlerweile 324 Ausbildungsberufen gar nicht so einfach ist, schicken das rheinland-pfälzische Bildungsministerium und die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit das Erfolgsprojekt Praxistag in eine neue Runde. Das Programm, bei dem junge Menschen mindestens sechs Monate lang einmal pro Woche nicht die Schulbank drücken, sondern in Büros oder Betrieben, an Werkbänken oder in Steuerungszentralen die Arbeitswelt kennen lernen, ist nach dem im Jahr Start 2009 so erfolgreich verlaufen, dass es nun als „Praxistag 2.0“ fortgesetzt wird.
„Nicht nur das Beispiel von Ann-Carin zeigt: Der Praxistag ist ein Erfolgsmodell. Und weil sich das so gut bewährt hat, läuten wir heute gern die nächste Runde ein“, sagte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig beim offiziellen Kickoff zum Praxistag 2.0 am Montag in der Georg-von-Neumayer-Realschule plus. Denn die Bedeutung einer funktionierenden Berufsorientierung könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: „Was mache ich nach der Schule? Das ist für junge Menschen eine Gretchenfrage, die bis dahin vielleicht wichtigste, die sich in ihrem Leben stellt. Da braucht man Hilfestellung, Rat und Tat, Zuspruch und Einordnung. Genau das bietet der Praxistag. Denn hier lernen Schülerinnen und Schüler „on the job“, wie es in der Arbeitswelt und in dem Beruf, für den sie sich entschieden haben, zugehen wird. So bekommen sie am besten ein Gefühl dafür: Passt ein Job zu mir? Und wenn nicht –welche Tür steht mir stattdessen offen?“
Insgesamt nehmen Bildungsministerium und BA etwa 17 Millionen Euro in die Hand, um rund 9.000 jungen Menschen aus den Klassenstufen 8 und 9 einen Tag pro Woche in einem der circa 5.000 teilnehmenden Unternehmen zu ermöglichen. Vorbereitet wird der Praxistag in der Schule durch Bewerbungen der Schülerinnen und Schüler, die dann mit den Angeboten der beteiligten Firmen zusammengeführt werden. Dieses Langzeitpraktikum geht über mindestens ein halbes oder ein ganzes Jahr. Die Schülerinnen und Schüler werden durch ihre Lehrkräfte, die Betriebe und die Berufsberatung eng begleitet, so werden Zwischenstandgespräche geführt und die Praxistagzeit mit zusätzlichen Projektmaßnahmen unterlegt. Dieses Projekt ist damit in Deutschland einmalig.
„Für Schülerinnen und Schüler ist die frühzeitige, vorausschauende berufliche Orientierung sehr wichtig, damit sie sich gut zurecht finden in der Vielfalt der sich bietenden Wege“, so Reinhilde Willems, Geschäftsführerin operativ der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland. „Jeder Schritt in Richtung einer Ausbildung in einen erfüllenden Beruf ist ein Schritt in Richtung einer guten Basis für die lebenslange berufliche Entwicklung. Für die Unternehmen bietet sich im Rahmen der berufsorientierenden Praxistage die Plattform, durch eigenes Engagement einen persönlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung der Zukunft zu gestalten. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit der Berufswahlentscheidung, der Erwerb der hierfür erforderlichen Kompetenzen und die Entwicklung eines realistischen Bildes von der Arbeitswelt und von Berufen sollen dazu beitragen, dass der Übergang von der Schule in den Beruf reibungslos erfolgen kann und Ausbildungsabbrüche vermieden werden. Der Praxistag 2.0 ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Berufsorientierung. Der Präsenz unserer Berufsberaterinnen und -berater an den Schulen kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu.“
Dass der Praxistag funktioniert belegen nicht nur die erfolgreiche Vermittlungen, sondern auch ein Evaluationsbericht aus dem Jahr 2021: Demnach haben sich das Wissen über Berufsorientierung, die Schlüsselkompetenzen und Berufswahlkompetenzen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler verbessert. Dasselbe gilt für die Wahrscheinlichkeit, den passenden Beruf zu finden. Der Praxistag wird insgesamt als sehr wirksam eingeschätzt, weil er vertieftes Praxislernen ermöglicht und die Ausbildungsreife verbessert – bei einem gesunden Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Auch das Echo der Lehrkräfte ist sehr positiv. Eine „unverzichtbare Ergänzung zum schulischen Angebot für unsere 9. Klasse“, sagt eine Lehrkraft. Eine andere ergänzt: „Ein Tag in der Praxis kann viel mehr Erfahrungen vermitteln, als in einem halben Jahr mündlich in der Schule vermittelt werden könnte.“
„Der Praxistag ist auch deshalb ein Erfolgsmodell, weil hier ganz viele Partner Hand in Hand arbeiten. Mein Dank gilt allen Beteiligten bei der Bundesagentur für Arbeit, beim Pädagogischen Landesinstitut (PL), der Schulaufsichtsbehörde ADD und im Ministerium für Bildung. Und natürlich ganz besonders den Schulen, von denen einige wie die Georg-Neumayer-Realschule plus schon von Beginn an mit dabei sind. Berufsorientierung heißt für die Schulen und die Lehrkräfte auch, Zeit und Engagement zu investieren. Der Einsatz im Praxistag lohnt sich, weil er jungen Menschen bei wichtigen Entscheidungen begleitet und unterstützt.“